Heimatgeschichte: Postillione gaben einst den Namen – „Mötzlicher Teiche“ durch Braunkohle-Absenkungen

Etwas versteckt hinter dichtem Ufergrün: der Große Posthornteich.  (Foto: Manfred Orlick)Wenn man das Stadtgebiet in der „Frohen Zukunft“ über die Dessauer Straße verlässt, tauchen hinter einer langgezogenen S-Kurve zwei Gewässer auf, die von der nach Tornau führenden Landstraße 141 hinter dem dichten Ufergrün kaum auszumachen sind: die „Mötzlicher Teiche“ – besser bekannt als „Posthornteiche“. Der Name „Posthorn“ stammt von einem ehemaligen Gasthaus, das hier mit drei weiteren Häusern eine kleine Siedlung bildete.

Bereits im Mittelalter war die Straße eine wichtige Handelsverbindung, auf der das hallische Salz mit Karren in Richtung Dessau transportiert wurde. So diente der Gasthof den Fuhrleuten als Quartier. Als im 17. Jahrhundert die Postlinie nach Berlin vorbeiführte, kehrten die Postillione hier ebenfalls ein. Dies führte dann wahrscheinlich zu der Namensgebung.

Später entdeckten die hallischen Studenten die Schenke. Hier konnten sie ungestört außerhalb der Stadt ihre Biergelage und heimlichen Kommerse abhalten. Das „Posthorn“ kam in Verruf. Der bekannte Heimatforscher Siegmar von Schultze-Galléra berichtete in seinen „Wanderungen durch den Saalkreis“ sogar von einem „skandalösen Prozess gegen die Wirtsleute“ (1717), die in ihrem Etablissement Dirnen zur Verfügung gestellt hatten.

Im vergangenen Jahrhundert mauserte sich das Lokal dann zu einem beliebten Ausflugsziel. Man saß unter schattigen Bäumen und genoss sein Bier; der Ausblick in die freie Natur und hinüber nach Mötzlich war gratis. Anfang der 1950er Jahre musste das „Posthorn“ allerdings wegen Baumängeln schließen.

Die beiden benachbarten Posthornteiche gibt es erst seit rund 50 Jahren. Die flachen Gewässer sind eine Folge des Braunkohlenbergbaus. Durch die zunehmende Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg der Bedarf an Braunkohle sprunghaft an, zum Beispiel für die Zuckerfabriken, Ziegeleien oder Brauereien. Daher wurde das „schwarze Gold“ nicht nur im Tagebau, sondern auch im Tiefbau abgebaut. Im Norden der Stadt – von Mötzlich bis in die Trothaer und Seebener Flur – waren solche Braunkohlenschichten unter einem bis zu 30 Meter starken Deckgebirge vorhanden. So entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedene Gruben, unter anderem die Grube „Frohe Zukunft“, in deren Schächten die Lagerstätten abgebaut wurden – und das teilweise bis in die 1950er Jahre. Über 100 Jahre waren die Gruben also eine wichtige Rohstoffquelle für die Energieversorgung der Stadt Halle.

Auf rund fünf Hektar erstreckt sich der Kleine Posthornteich. (Foto: Manfred Orlick)Schon während des Braunkohlentiefbaus kam es zu Bergbaufolgeschäden, die sich nach der Stilllegung der Gruben noch verstärkten. Durch die unterirdischen Hohlräume kam es immer wieder zu Bodenabsenkungen und Erdbrüchen. Die Chronik weiß zu berichten, dass sogar einmal ein Pferdegespann sowie 1949 zwei Jugendliche in einem Bruch verschwanden. Kleinere Brüche wurden mit Schutt und Müll verfüllt, auf großflächigen Absenkungen bildeten sich jedoch Tümpel, die sich immer mehr mit Grund- und Niederschlagswasser füllten.

So entstanden in den zurückliegenden 50 Jahren auch die beiden Posthornteiche. Sie sind relativ flach, meist haben sie nur eine Wassertiefe von weniger als zwei Metern. Der Große Posthornteich umfasst ein rund 20-Hektar-Areal, der Kleine Posthornteich dagegen nur fünf Hektar. Früher befanden sich an einigen Stellen Bademöglichkeiten, doch im Laufe der Jahre breitete sich das Schilfdickicht immer weiter aus. Dafür haben sich die Teiche zu einer städtischen Oase für Fauna und Flora entwickelt. Zahlreiche bedrohte Pflanzen- und Vogelarten haben hier ein Rückzugsgebiet gefunden.

Heute sind die beiden Posthornteiche beliebte Angelgewässer. So hat der Angelverein „Am Posthornsee“ am Großen Posthornteich ein Vereinsgelände mit zahlreichen Freizeitmöglichkeiten rund ums Angeln, den See und die Natur – sogar übernachten kann man hier.

 

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